Baugeschichte der Pfarrkirche Kail (18.01.2012)

Pfarrkirche Kail

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Baugeschichte

Pfarrkirche

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St. Bartholomäus
Kail

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Laut Quellen im Pfarrarchiv von Pommern findet sich im Jahre 1698, in einem so genannten Lagerbuch der Nachweis von neu erbauten Kapellen, in den Dörfern der Voreifel, von Kail und Brieden. Die beiden Ortschaften hatten nach kriegerischen Zerstörungen zwischen den Jahren 1687-1697, neue aber einfache Kapellen erhalten. Für die Mosel-Pfarrei Pommern, mit ihren Filialen Kail und Brieden war damals, seelsorgerlich sowie auch finanziell die Abtei Himmerrod zuständig, deren Abt Robert Botz die Kapellen im Jahre 1701 einweihte. In einem alten Handbuch (Manuale) wird 1772 in Kayll eine Filialkirche genannt.


Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Kapellengebäude in Kail um zwei bis drei Meter erweitert und war mit dem dreiseitigem nach Norden gerichteten Chor 12,50 m lang und 5,50 m breit.


Der ohne „Kunstwert“ bezeichnete Kapellenbau erlitt bei einem großen Dorfbrand, am 17. September 1848 eine teilweise Zerstörung. Statt der einstigen rund gehaltene Holztonne wurde in die Kapelle eine flache Lattendecke eingebaut. Im Laufe der Zeit entsprach die zu klein gewordene Kapelle, die Zahl der Gläubigen in Kail war auf über 400 gestiegen, nicht mehr den Anforderungen eines würdigen Gottesdienst.


Wie aus einem sehr guten recherchierten Beitrag von Reinhold Schommers im Heimatjahrbuch 2002 von Cochem-Zell, zu lesen ist, hatte zu Ostern 1893 die Pfarrei Pommern einen neuen tatkräftigen Seelsorger und Pfarrherr bekommen. Unverzüglich machte sich Pfarrer Haubrich an die Arbeit und suchte die Zustimmung der Bevölkerung, der bäuerlichen Gemeinden Kail und Brieden eine neue gemeinsame Filialkirche, zwischen Kail und Brieden aufs freie Feld, zu bauen. Nach Planentwurf und Gründung eines Kirchenbauvereins, der in kurzer Zeit schon über 7000 Mark bis zum Baubeginn der Kirche gesammelt hatte, kam unverhofft eine Wende in die Planung. Ein Ehepaar aus Cochem machte eine Schenkung mit einem ihnen gehörigen Grundstück, welches am Ortsrand von Kail in Richtung Brieden lag. Es konnte sofort mit dem Bau der Kirche und eines Pfarrhauses begonnen werden.


Aber das missfiel den Kirchgänger von Brieden, sie sollten somit einen längeren Weg zur Kirche haben. Die Briedener drohten ihre Zahlungs- und Leistungsbreitschaft einzustellen, weil sie eine Gehzeit zur zukünftigen Kirche von 15 Minuten und die Kailer nur 5 Minuten hätten.


Aber Pfarrer Haubrich war ein geübter Meister in Lösung von Schwierigkeiten. Er gewann den Cochemer Kreisbauaufseher, der die Kapelle in Brieden bautechnisch untersuchte. Das Ergebnis war: „Die Kapelle wurde polizeilich gesperrt“. Die Briedener mussten, ob sie wollten oder nicht, nachgeben. Jetzt war für Pastor Haubrich Eile geboten, er wollte den Baubeginn der neuen Kirche in Kail auf den 18. Januar 1901 legen, auf den Krönungstag, an dem sich Friedrich von Preußen 1701 vor 200 Jahren zum König krönte. Somit sollte eine termingerechte „Huldigung“ realisiert werden. Zudem gab es seit dem Regierungsantritt von Kaiser Wilhelms II. eine Regel, es wurden kirchliche Bautätigkeiten gefördert. Ja es gab ein auffälliges Wohlwollen der preußischen Regierung, seit dem Rücktritt des Reichskanzler Bismarks. Kaiser Wilhelm II. war es an einer inneren Aussöhnung mit der Kirche sehr gelegen, er wollte die Stärkung des preußisch-nationalen Reichs. Dazu kam, dass 1901 Feierlichkeiten zum zweihundertjährigen Bestehen des „Königsreichs Preußen“ anstanden. So war die Planung der Pommerner Filialen Kail und Brieden für den Neubau einer gemeinsamen Filialkirche für den Pfarrer Haubrich in ein terminliches Stadium getreten. Aber es gab nach wie vor noch Schwierigkeiten mit der Finanzierung, da sich Brieden einem Kirchenbau, am Ortsrand von Kail verweigerte.


Auch gab es Turbulenzen mit der Planung. Die bischöfliche Behörde, das Generalvikariat in Trier, lehnte den Plan ab, wenn die neue Kirche als „Gedächtnis- und Huldigungskirche für Preußen“ angesehen werden sollte. Trotz aller Probleme ließ der Pommerner Pfarrer, in eigener Verantwortung die Ausschachtungsarbeiten beginnen, ehe die schriftliche Genehmigung von Trier vorlag. Jetzt stellten sich die Bürger von Kail quer, sie trauten dem „Geschäft“ ihres Pfarrherr mit den Preußen nicht mehr. Zwischenzeitlich waren die voraussichtlichen Baukosten auf über 50.000 Mark angestiegen. Die erbosten Bauern aus Brieden und Kail zogen ihre freiwilligen Hand-Spanndienste zurück. Einige unterliefen mit einem Trick ihre die Zusage, mit ihren Ochsen- und Pferdegespannen Bausteine von Schiff und Bahn aus Pommern an die Baustelle der Kirche in Kail herbeizuschaffen, indem sie ihre Pferde und Ochsen einfach verkauften. Mit Milchkühen war der Transport nicht zu schaffen. Aber es ging mit dem Kirchenbau trotzdem programmgemäß weiter. Dann kam die Tragödie mit der Finanzierung. Pfarrer Haubrich war mit seiner „Idee“ und Eigenmächtigkeit zwischen alle Stühle geraten.


Es kam knüppeldick, die abgerechneten Baukosten waren 20.000 Mark höher ausgefallen. Dem Generalvikar gefiel die Idee mit der Huldigungskirche nicht mehr, er ließ die Baupläne ein ganzes Jahr unbearbeitet liegen und schickte die Pläne erst, nachdem der Bau Ende 1902 „unter Dach“ war ohne Genehmigung zurück. Auch das Gnadengeschenk aus kaiserlichen Schatulle wurde rückgängig gemacht. Seine Majestät hatte davon Abstand genommen.


Aber es ging trotz aller Schwierigkeiten gut. Zum Abschluß der Neubaumaßnahme wurden noch zwei neue Glocken gekauft. Der kaiserliche Fehlbetrag wurde durch ein Vermächtnis ausgeglichen. Dennoch fühlte sich die Provinzialregierung in Koblenz beschämt und gab einen Zuschuß von 5.000 Mark. Die Gesamtbaukosten von über 80.000 Mark überstiegen bei weitem die veranschlagten Kosten. Pfarrer Haubrich verpflichtete sich sogar ein persönliches Darlehen aufzunehmen. Dann kam die Inflation, die letztlich die ungedeckten Schulden für den Kirchenbau „bezahlt“ hat. Im Jahre 1939 wurde die Filiale Kail zur Vikarie.


Heute bilden die Pfarrkirche St. Bartholomäus in Kail und die Filialkirche (Kapelle) zu Ehren der heiligen Familie Jesus. Maria, Josef in Brieden  zusammen eine Vikarie. (kjz) ©


Quellen: Dr. Ernst Wackenroder: Kunstdenkmäler des Landkreises Cochem, Deutscher Kunstverlag München-Berlin 1959 Unveränderter Nachdruck 1984. Reinhold Schommers: Heimatjahrbuch Cochem-Zell 2002  Die „Huldigungskirche für Preußen“ in Kail und ihr Fensterzyklus von August Martin.

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